
Restaurator Stefan Gloßner (m.) übergibt das wiederhergestellte Wegekreuz an Dieter Maretzky (l.) und Jürgen Müller (r.) aus dem Vorstand der Bürgervereinigung Rodenkirchen. Foto: Jutta Maretzky
Die Bürgervereinigung Rodenkirchen ist seit 1977 Pate des Ensembles der vier Linden und des Wegekreuzes. Verschiedene Maßnahmen zur Substanzerhaltung des Wegekreuzes wurden nun nötig. Denn im Laufe der Zeit entstanden verschiedene Schäden durch Risse und Verwitterung an dem Denkmal. In Absprache mit dem Amt für Denkmalschutz der Stadt Köln übernahm die Bürgervereinigung Rodenkirchen die Kosten für die nötigen Restaurierungsarbeiten und betreute die Restaurierung. Am 16. Oktober 2020 übergab nun der ausführende Diplom-Restaurator Stefan Gloßner das erfolgreich wiederhergestellte Kreuz an Dieter Maretzky und Jürgen Müller aus dem Vorstand der Bürgervereinigung Rodenkirchen.
Zur Geschichte des Wegekreuz „An den Vier Linden“
Bereits Ende der 1970ger Jahre erfolgte die erste sachgemäße Sicherung des Denkmales durch einen Restaurator. Nachdem 1990 die alten Linden wegen fehlender Standsicherheit gefällt werden mussten, ließ im Jahr 1993 die Bürgervereinigung mit Hilfe einer Stiftung und der Förderung durch die Bezirksvertretung Rodenkirchen neue Bäume in einer beachtlichen Größe pflanzen.
Das Wegekreuz in der Straße „An den vier Linden“ wurde 1840 errichtet. Es besteht aus rotem Sandstein. Die Inschrift „Jos. Manbach fec.“ am Sockel ist heute kaum mehr lesbar: Nachweisbar ist aber ein ähnliche Name: Johann Joseph Mannebach, der nach seiner Steinmetz- und Bildhauerausbildung zunächst in Wien tätig war, bevor er in Köln ein Atelier für Bildhauerarbeiten eröffnete. Laut Kölner Adressbücher hatte er 1822 bis 1835 eine Werkstatt in der Severinstraße 203. Als er im Alter von 67 Jahren verstarb, ging seine Werkstatt an seinen Sohn, den Bildhauer Johann Louis Peter Mannebach (1797–1842) über.
In einer Niederschrift vom 11. März 1968 berichtet der Beigeordnete Franz Josef Fleissig (Gemeinde Rodenkirchen) über ein Gespräch mit Landwirt Anton Einhoff. Dieser erzählte, dass es sich um ein Feldkreuz handele, das an dieser Stelle wegen eines bestimmten Ereignisses errichtet worden wäre. In der Regel wird es aus Anlass eines Unfalles oder Mordes zum Gedenken aufgestellt.
Der Hauptlehrer Joseph Wirtz aus Godorf schrieb in seinem Heft „Aus Rodenkirchens Heimatgeschichte“, dass es sich um das „Linnartz-Kreuz“ handele. Der Linnartzhof, heute in Wohnungen umgewandelt, liegt nahe an der Römerstr. (Denkmalverzeichnis: Hofanlage Lennartzhof, Römerstr. 85). Je nach dem Eigentümer änderte sich der Name: So hieß er einmal Hof Röttgen zu Schillingsrott (später Lennartzhof). Das einzige Hofgut aus alter Zeit, Gut Schillingsrott, eine der letzten historischen Hofanlagen in Rodenkirchen, wurde 1997 zu Wohnzwecken umgebaut. Bis dahin bestand die Anlage aus dem Herrenhaus, einem Südtrakt sowie aus den Nord- und Osttrakten. Sie hatte eine Grundstücksgröße von 7000 Quadratmetern.
Restaurierung 2020

Wegekreuz vor der Restaurierung

Wegekreuz nach der Restaurierung
Über den zuständigen Sachbearbeiter Roland Krapp vom Amt für Denkmalschutz und Denkmalpflege erhielt die Bürgervereinigung den Kontakt zu Diplom-Restaurator Stefan Gloßner aus Bergisch Gladbach. Er prüfte den Zustand des Denkmales und erstellte ein Angebot.
Der starke biogene Bewuchs wurde schonend entfernt, die Fugen restauriert, alte, fehlerhafte Reprofilierungen erneuert, Risse durch Injektion gesichert und verschlossen, die komplette Restaurierung dokumentiert. Diese Arbeiten wurden im Oktober mit 40 Arbeitsstunden durchgeführt. Die Kosten in Höhe von 2.600 Euro übernahm die Bürgervereinigung Rodenkirchen.
Das Ensemble Vier Linden
Seit einiger Zeit ist die Bürgervereinigung Rodenkirchen im Gespräch mit dem Forst- und Grünflächenamt der Stadt Köln, um die Sichtbarkeit des Ensembles zu verbessern. Linden gehören zur Baumart, die traditionell in solchen Zusammenhängen gepflanzt werden. Denn Linden strahlen Geborgenheit aus und aus ihrem Holz werden bevorzugt sakrale Bildwerke gestaltet. Deshalb spricht man auch vom heiligen oder heilsamen Holz. Die Bedeutung der Vier Linden wird noch durch den Straßennamen „An den Vier Linden“ unterstrichen. Im Kölner Straßennamen-Lexikon ist zu lesen, dass diese Straße eine Länge von 150 Metern hat und die „Anpflanzung von vier Holländischen Linden, die eine natürliche Kapelle darstellen sollten“.
Eine wilde Hecke zur Industriestraße hin wurde schon beseitigt. Einige angrenzende Bäume, die in die Kronen der vier Linden ragen, müssten noch gefällt oder beschnitten werden. Zu den geplanten Verschönerungsmaßnahmen gehört auch die Erneuerung der Ruhebank, die mit etwas mehr Abstand zur stark befahrenen Industriestraße und Blick auf das Wegekreuz errichtet werden soll. Ein interessierter Rodenkirchener Bürger hat sich als Spender zur Verfügung gestellt. Eine kleine, wichtige Ergänzung wäre ein Schild, das auf dieses Denkmal und die Patenschaft der Bürgervereinigung Rodenkirchen hinweist.
Informationen über den Restaurator auf http://www.stein-wand-restaurierung.de/
Bericht und Bilder: Dieter Maretzky, Bürgervereinigung Rodenkirchen e.V.

V.l.: Hans-Dieter Meinhardt, Prof. Dr. Winfried Panse (Anwohner) und Dr. Jörg Klusemann.
Die Anlieger an der Riviera in Rodenkirchen – besonders im Bereich zwischen Barbarastr. und Walther-Rathenau-Str. – haben sich mit einer Wohnung oder einem Haus einen Traum erfüllt: Wohnen am schönsten Fleck Rodenkirchens.
Doch aus dem Traum wird oft an schönen und warmen Tagen und Nächten im Sommer für Anwohner ein Alptraum: Viele Ausflügler suchen dann hier Platz für ein Picknick, zum Chillen, zum Party feiern, zum Konsum von Alkohol und mehr. Das führt alles zu viel Müll, oft zu einer massiven Lärmbelästigung bis weit nach Mitternacht, zu Sachbeschädigung an Häusern, Urinieren auf Privatgrundstücken (Garageneinfahrten) und somit zu einer deutlichen Verminderung der Lebensqualität für die Bewohner. Dieses Jahr hat sich die Situation noch verschlimmert, auch durch die Corona-Krise. Hinzu kommen immer wieder auch aggressive Handlungen, so dass es einige Anlieger bevorzugen, am Wochenende Rodenkirchen zu verlassen.
Teilnehmer am Ortstermin Müll und Lärm am Rhein in Rodenkirchen

Bitte so nicht! Deshalb plant die Bürgervereinigung Rodenkirchen eine Instagram-Challenge zur Sensibilisierung rund um das Thema Müll an der Riviera.
In den letzten Wochen wurden einige Beschwerden, auch von Mitgliedern und anderen Bürgern, an die Bürgervereinigung Rodenkirchen gerichtet. Es bestand der Eindruck, dass die Ordnungsbehörden und die Polizei diesen Zustand dulden. Deshalb wurde die Bürgervereinigung Rodenkirchen aktiv, informierte Verwaltung sowie die örtliche Politik. Am 10.7. fand mit dem Ordnungsamt, der AWB und weiteren Personen ein Ortstermin statt. Vom Amt für öffentliche Ordnung kam Hans-Dieter Meinhardt, Gruppenleiter für den Stadtbezirk Rodenkirchen, Josef Balkhausen, Leiter des Reinigungsteams Rodenkirchen, Hans-Dieter Isbach, Leiter des Betriebshofes in der Alteburger Str., Dr. Jörg Klusemann, Vorsitzender der SPD-Fraktion in der Bezirksvertretung und der Bezirksvertreter Frank Theilen von Wrochem aus der Fraktion der Grünen. Die Bürgervereinigung war durch Silvia Behrendt und Dieter Maretzky vom geschäftsführenden Vorstand vertreten.

Nach der Party (Foto: Christian Gahrmann)
Am Brennpunkt Riviera werden mehr flexible Müllbehälter aufgestellt
Die anwesenden Anlieger lobten das große Engagement der AWB, die sehr zuverlässig, besonders an der als Theke genutzten Hochwasserschutzmauer, die Abfälle entsorgt und die knapp bemessenen Müllbehälter leert. Hans-Dieter Isbach betonte, dass die AWB diesen Brennpunkt genau im Blick habe und auch bereit sei, über zusätzliche Müllbehälter zu sprechen. Einem Anlieger passte das nicht, denn nach seiner Meinung würde jeder Behälter noch mehr Müll produzieren. Nun sollen zur Probe weitere flexible Behälter aufgestellt werden und nach den Sommerferien besprochen werden, ob das eine Entlastung zur Folge hatte.
Hans-Dieter Meinhardt betonte, dass es hier Kontrollen gäbe, aber dass er mit insgesamt zehn Mitarbeitern für den Stadtbezirk Rodenkirchen den an manchen Tagen massiven Bedarf an Eingriffen nicht abdecken könne. Er riet den Anliegern, nicht erst nach 22 Uhr anzurufen, sondern früher, wenn sich eine entsprechende Lärmentwicklung bemerkbar macht. Dann könnten Personalien festgestellt werden und andere notwendige Maßnahmen getroffen werden. Insgesamt benötigt das Ordnungsamt mehr Mitarbeiter, um den gestiegenen Bedarf abdecken zu können. Der Stadtbezirk Rodenkirchen habe neben der Riviera weitere Brennpunkte.
Die Antworten waren nicht zur Zufriedenheit der Anlieger. Sinnvoll wäre ein Antrag in der Bezirksvertretung, dass Mitarbeiter des Ordnungsamtes wieder im Bezirksamt Rodenkirchen tätig sind und das Personal insgesamt verstärkt wird. Dr. Jörg Klusemann wird sich darum kümmern. Eine Anliegerin schlug die Aufstellung von großen Hinweisschildern vor, die deutlich an die Besucher der Grünanlagen appellieren, Rücksicht auf die Anwohner zu nehmen. Dem stimmte Herr Meinhardt zu und Dieter Maretzky wird das beim Bezirksamt anregen. Zum Ortstermin waren weitere Mitglieder der Bezirksvertretung eingeladen, die sich entschuldigten, da sie durch Urlaub oder Arbeit verhindert seien.
Auf die Rückmeldung der Polizei, des Umweltamtes und des Wasser- und Schifffahrtsamtes wartet die Bürgervereinigung Rodenkirchen noch, so dass weitere Informationen folgen werden.
Text/Fotos: Dieter Maretzky

Beim Ausbau der A4 muss die Rodenkirchener Brücke bleiben. (Foto: Dieter Maretzky)
Im ersten Dialogforum zum A4-Ausbau in Köln-Süd wurde deutlich: Die A4 ist eine wichtige europäische Hauptverkehrsachse und auch für die Region um Köln besonders wichtig. Jedoch sind die drei Fahrspuren pro Fahrtrichtung zwischen dem Autobahnkreuz Köln-Süd und dem Autobahnkreuz Köln-Gremberg für das gegenwärtige Verkehrsaufkommen nicht mehr ausreichend. Staus im gesamten Kölner Süden sind die regelmäßige Folge. Die Bürgervereinigung Rodenkirchen wird sich nicht gegen eine Erweiterung der Brücke um weitere zwei Fahrspuren quer stellen. Jedoch muss aus ihrer Sicht ein Abriss der als Denkmal geschützten Brücke unbedingt verhindert werden. Denn nach dem Regionalplan Köln 367 ist die Rodenkirchener Brücke ein „wertgebendes Merkmal des Kulturlandschaftsbereichs“ und zudem das Wahrzeichen von Rodenkirchen. Deshalb fordert die Bürgervereinigung Rodenkirchen den Erhalt dieser Brücke.
Das Projekt „A4plus – Ausbau im Kölner Süden“ wurde daher im Bundesverkehrswegeplan 2030 der Bundesregierung in den „Vordringlichen Bedarf“ eingestuft. Straßen.NRW hat hierfür einen Planungsauftrag erhalten. Mit der ersten Sitzung des Dialogforums am 25. Juni 2020 begann offiziell die Gremienarbeit zum Projekt A4plus. Das Dialogforum ist eine wesentliche Maßnahme des Beteiligungskonzeptes. Insgesamt 23 Mitglieder, so auch die Bürgervereinigung Rodenkirchen, nahmen an der konstituierenden Sitzung teil.
Das zweite Dialogforum A4plus wird im September stattfinden. Besprochen wreden unter anderem dann Themen zu Lärmimmissionen und Luftschadstoffen sowie die Tragwerksplanung der Rodenkirchener Brücke.
Zur Presseinformation Erste Sitzung Dialogforum A4plus
Weitere Informationen auf https://a4plus.koeln/

Im Auenviertel Ecke Grimmelshausenstraße
Die Bürgervereinigung Rodenkirchen steht für die Erhaltung der Wohn- und Lebensqualität ihres Ortes: Das komplette Auenviertel muss sein einmaliges Flair behalten. Es darf nicht durch Teilung der Grundstücke zugebaut werden! Deshalb ist die Bürgervereinigung Rodenkirchen erfreut, dass die Stadtverwaltung der Forderung nachkommt und einen neuen Bebauungsplan entworfen hat. Denn die besondere Struktur des Auenviertels in Köln-Rodenkirchen muss erhalten bleiben. Die Nachverdichtung durch Teilung großer Grundstücke und der Bebauung des Hinterlands großer Liegenschaften muss verhindert werden. Denn seit geraumer Zeit beobachtet die Bürgervereinigung mit großer Sorge, dass das historisch gewachsene Wohnbauviertel einem Wandel unterliegt mit Teilungen von Grundstücken. Dies führt aber zu einer schleichenden städtebaulichen Verdichtung des gewachsenen Viertels in Köln-Rodenkirchen und zerstört das erhaltenswerte, historisch wertvolle Ambiente des Auenviertels, von der Weißer Straße bis hin zum Uferstraße am Rhein. Denn durch Nachverdichtung würde unwiderruflich der Gesamtcharakter des Viertels zerstört. Auch der Denkmalschutz, die Intention, Natur mit Architektur zu verbinden und die seltene geschichtliche Ablesbarkeit des Ortes wären durch eine rücksichtlose Bebauung verloren.
Auenviertel schützen durch gültigen Bebauungsplan

Erneute öffentliche Auslegung des Bebauungsplan-Entwurfs Auenviertel in Rodenkirchen © Stadt Köln
Vom 2. Juli bis 17. August erfolgt nun die erneute öffentliche Auslegung des Bebauungsplan-Entwurfs Nummer 70390/02 mit Begründung beim Stadtplanungsamt (Stadthaus), Außenstelle, Willy-Brandt-Platz 2, 50679 Köln. Weitere Informationen: https://www.stadt-koeln.de/leben-in-koeln/planen-bauen/bebauungsplaene/aktuelle-bebauungsplaene/auenviertel-koeln-rodenkirchen
Ziel der Planung sei es weiterhin, das vorhandene hochwertige Wohngebiet durch planungsrechtliche Instrumente zu schützen. So soll die Struktur einer überwiegend ein- und zweigeschossigen Bebauung mit freistehenden Ein- und Zweifamilienhäusern erhalten bleiben.
Zur Geschichte des Auenviertels in Köln-Rodenkirchen
Das Auenviertel in Rodenkirchen stellt die zweite Erweiterung in der Geschichte Rodenkirchens dar. Die drei Entwicklungsstufen – typisch für das Wachstum kleinster Dörfer im Umkreis größerer Städte – liegen hier, wie ein offenes Bilderbuch, zutage. An kaum einem anderen Ort, wo Kleinstgehöfte längst verschwunden sind, ist die Geschichte einer Stadt und seiner Umgebung so deutlich ablesbar. Sie geben Zeugnis von einer sonst kaum anzutreffenden Vermischung der Bevölkerung aus verschiedenen Schichten, die eng verbunden ist mit der Entwicklung Kölns.
Glückliche Fügungen in der Bau-Historie Rodenkirchens
Die erste Erweiterung war bestimmt durch das Wachsen Kölns zur preußischen Großstadt und zum Industrieort. In Rodenkirchen sind nicht nur die alte Kirche vom ursprünglichen Fischerdorf erhalten geblieben, sondern auch Kleinstgehöfte, die an das ehemalige Dorfbild erinnern. Diese kleinen Höfe legen ein einmaliges Zeugnis dafür ab, dass bei der Versteigerung des ehemals kirchlichen Besitzes mitunter auch Kleinstbauern, Hintersassen, manchmal in der Lage waren, eine winzige Fläche zu erhalten. Zudem setzte, wie an anderen Vororten und Stellen, an denen sich Lehmboden oder Kiesgruben befanden, eine Besiedlung von Kleinunternehmern und Fuhrleuten ein, die das begehrte Baumaterial nach Köln lieferten. Rodenkirchen weitete sich nach Westen aus, über die Hauptstraße hinweg, welche die ursprüngliche Grenze des kleinen Ortes war. Die kleinen, oft hübsch verzierten Backsteinbauten geben in der Frankstraße und Umgebung ein schönes Zeugnis dieser Besiedlung. Aber auch erste kleinere Villen entstanden entlang der Hauptstraße, die deutlich nach Norden in Richtung Köln ausgerichtet waren.

Auenweg Ecke Zuckmayerstraße
Die zweite Erweiterung lässt nun den Trend zum gesunden Leben erkennen, oder die ersten Lehren, die man aus einer ungehemmten Industrialisierung gezogen hatte: Der Rhein wird nicht nur als Transportweg und verkehrstechnische Anbindung an Köln gesehen, sondern wird selbst zur „Ansicht“. Im Urteil der Zeitgenossen ist er nicht nur praktisch, sondern „schön“. Er steht mit seiner grünen Umgebung für eine gesunde Lebensweise, die sich gegen die grauenhaften Folgen der Industrialisierung auch in Köln richtet. Denn man hielt die schlechte Luft für die Ursache vieler Seuchen und Krankheiten und versuchte nun, nicht nur für die Fabrikbesitzer (z.B. Westend in vielen Städten), sondern auch für die einfache Bevölkerung gesunde Wohnungen zu schaffen.
Dass sich alle drei Ausformungen in Rodenkirchen nebeneinander erhalten haben, ist ein außerordentlicher Glücksfall und sehr selten. Ebenso selten ist die Verschmelzung zu einem dennoch einheitlichen Aussehen des Ortes, wo man sich heute noch an eigentlich allen Stellen wohlfühlt und die deutlich sich abhebenden Entwicklungsstufen nie als Trennung registriert.
Die Verwüstungen des Zweiten Weltkrieges, die Köln wie keine andere deutsche Stadt vernichtet haben, zerstörten auch die sichtbare geschichtliche Entwicklung. So haben wir nur noch an einigen wenigen Stellen der Umgebung Bauten, die an das frühere Dorfbild erinnern (etwa Immendorf und Sürth). Von daher ist es ein außerordentlicher Glücksfall, dass in Rodenkirchen gleich mehrere dieser Kleinstgehöfte, etwa an der Friedensgasse oder Barbarastraße erhalten sind, die ursprünglich eine kleine Fläche Nutzlandes ihr Eigen nannten.
Sonderwege beim Siedlungsbau in Rodenkirchen
Die erste Erweiterung mit Kleinunternehmern, Ziegelgrubenbesitzern und Fuhrunternehmen lässt sich an vielen ehemaligen Vororten Kölns nachweisen, Ehrenfeld oder Sülz sind nur zwei Beispiele. Sie zeigen überall nahezu den gleichen Haustypus, der auch in Rodenkirchen zu sehen ist: Drei- oder vierachsige Backsteinbauten, zunächst giebelständig, dann traufständig zur Straße hin orientiert, häufig mit farbigen Backsteinverzierungen und Phantasiewappen ausgestattet.
Doch während sich in nahezu allen Vororten diese Ansiedlungen getrennt von anderen Bebauungen zeigen, sozusagen als zusammengehörige Siedlung – man wollte in den gehobenen Wohngegenden, die rings um die Stadt entstanden, wie etwa Lindenthal oder Klettenberg, den „Ehrenfeldisierungsprozeß“ verhindern, also die Proletarisierung der Villenviertel, geht Rodenkirchen da unbewusst einen Sonderweg! Noch während diese Backsteinbauten an der Frankstraße oder Wilhelmstraße im Bau sind, beginnen sich einige kleine Villen bereits an der neuen Hauptstraße anzusiedeln. Berührungsängste fehlen hier offensichtlich.
Darin – und das kann nicht genug hervorgehoben werden – unterscheidet sich Rodenkirchen grundsätzlich von den anderen Vororten, die zum größten Teil bewusst und neu angelegt wurden: Klettenberg als Villenort oder Sülz als Arbeitervorort. Hier entwickelte sich beides nebeneinander, was man sonst so nicht findet. Selbst das unmittelbar benachbarte Marienburg hat nichts mit der Entwicklung Rodenkirchens gemein, nicht einmal die Architekten sind in beiden Orten bis auf ganz wenige Ausnahmen die gleichen.
Erstaunliche ist aber, dass dieses Prinzip der Vermischung bei der Ansiedlung des Auenviertels, also der zweiten Erweiterung, zumindest in den Anfängen nunmehr bewusst weitergeführt wird! Das ist für war eine große Ausnahme und in der weiteren Umgebung sonst nicht bekannt.
Innovativer gemischter Baustil durch Architekt Otto Müller-Jena

Moltkestraße im Auenviertel
Als der bedeutende Architekt Otto Müller-Jena, in den Jahren nach 1910 begann, einige Straßenzüge mit gemischter Bebauung zu entwerfen, schaffte er etwas völlig Neues! Er plante Villen, die für das neu entstandene Bürgertum, das in der aus allen Nähten platzenden Stadt keinen Platz gefunden hatte und auch bei der neu angelegten Ringstraße zu kurz gekommen war. Aber unmittelbar daneben entstehen – im Stil durchaus angepasst – Mietshäuser für mehrere Familien. Diese Vermischung ist sonst keinem der bekannten Baumeister dieser Zeit gelungen.
Damit aber nicht genug: Otto Müller-Jena, der übrigens wenig später auch hervorragende Bauhausarchitektur errichtet (in Köln z.B. die ehemaligen Sidolwerke) verbaute die Natur mit in seinen Häusern. Die Anlage der umgebenden Gartenflächen wird von ihm als mitgebaute Natur, als Architektur verstanden und so konzipiert. (In der gleichen Zeit und etwas später entstehen die ersten Freischulen, in denen Kinder außerhalb der Stadt hin und wieder unterrichtet werden, um zu ihrer Gesundung beizutragen). Erst die Vorgärten und umgebenden Gärten lassen in seinen Augen die Bauten vollständig werden.
Der Plan der Vermischung von Villen und Miethäusern, gekonnt umgesetzt, hat sich dann über die steigenden Grundstückspreise nicht weiterverfolgen lassen. Aber noch immer bietet das größere Ensemble von Uferstraße und Moltkestraße eine schöne Vorstellung dieses Vorhabens.
Die weiteren Planungen des Auenviertels nehmen jedoch viele dieser Innovationen auf. So ist gerade die Vermischung der Stile, auch an einem Bau, heute reizvoll inmitten der Grünanlagen.
Modernes Bauhaus im Auenviertel neben Historismus im Einklang

Bauhaus neben Historismus verrtagen sich im Auenviertel gut.
Der Historismus hatte sich mit dem ersten Weltkrieg und der anschließenden Revolution überlebt. Aber alle bedeutenden Schulen der 1920er Jahre kommen hier auf ihre Kosten und lassen heute die Übereinstimmungen und gegenseitigen Beeinflussungen erkennen, obwohl sie damals miteinander im Streit lagen. So findet sich der herkömmlich traditionelle „Heimatschutzstil“ unmittelbar neben der radikalen Moderne im Bauhausstil, die gemäßigte Moderne neben der Stuttgarter Schule, der Expressionismus neben niederländischen Einflüssen der Amsterdamer Schule usw. Dennoch gibt es immer wieder Gemeinsamkeiten, die bei all diesen Stilen vertreten sind – das halbrunde vor die Fassade gesetzte Treppentürmchen etwa, die weit vorgezogene Traufe, um nur zwei Beispiele zu nennen.
Aber eine weitere, bedeutende Gemeinsamkeit haben alle, die Freifläche vor oder um die Häuser wird als integraler Bestandteil der Architektur verstanden! In dieser Hinsicht hat Müller-Jena wirklich vorbildlich gewirkt.
Wohngebiet im Auenviertel schützen durch Veränderungssperre

Auenweg Rodenkirchen
Eine dichtere Bebauung würde die Intention der gesamten Architektur zerstören. Sehr wichtig wäre es, darauf hinzuwirken, die modernen Sichtschutzmaßnahmen, Bambuszäune, hohe Hecken etc. zugunsten der teilweise noch erhaltenen sehr schönen alten niedrigen Begrenzungen wegzunehmen, um so den freien Durchblick, der ausdrücklich gewollt wurde und der ganzen Siedlung eine ungewöhnlich schöne Leichtigkeit gibt, wiederherzustellen.
Das vorhandene hochwertige Wohngebiet muss geschützt werden, so dass die Struktur einer überwiegend ein- und zweigeschossigen Bebauung mit freistehenden Ein- und Zweifamilienhäusern erhalten bleibt. Dies bezieht sich auf den Siedlungsbereich zwischen Weißer Straße und Uferstraße, zwischen Grüngürtel- und Walther-Rathenau-Straße.
Auenviertel schützen! Argumente gegen eine Verdichtung der Bebauung im Auenviertel
Eine Verdichtung der Bebauung würde drei wichtige und reizvolle Eigenschaften, die heute den Charme Rodenkirchens ausmachen, zerstören:
- Die sehr seltene geschichtliche Ablesbarkeit des Ortes würde zerstört
- Die Intention der zum großen Teil denkmalgeschützten Bauten, die die umgebende Natur als Architektur begreift, wäre unwiderruflich dahin, die Bauten würden ihren ureigenen Charakter verlieren.
- Die wenigen Bauten, die durch moderne Bebauungen ersetzt wurden, haben bislang in der Mehrheit große Rücksicht auf den Gesamtcharakter des Viertels genommen und so den einzigartigen Flair Rodenkirchens bewahrt. Durch mehr Verdichtung würde der Gesamteindruck einer historisch gewachsenen Einheit endgültig zerstört werden.
Autoren: Angelika Lehndorff-Felsko, Dieter Maretzky
Redaktion/Fotos: Beatrix Polgar-Stüwe